Ich bin im Ausland in den Ferien und hier hat es so viele arme Katzen(Tiere), was kann ich tun?


Tierelend im Urlaub

Hungrige Katzen die nach Futter betteln, angekettete Hunde in der prallen Sonne, zum Verkauf angebotene Tiere auf Märkten und in Zoohandlungen, Pferde ohne Wasser an Bäumen angebunden, Esel die unter den Lasten, die sie tragen müssen fast zusammenbrechen, Kamele die nur noch Haut und Knochen sind – die Liste des Tierelends, dass man manchenorts im Urlaub zu sehen bekommt ist lang und vermiest so manchem Tierfreund die Ferienlaune.

Folgender Spruch trifft tatsächlich zu: "Andere Länder - andere Sitten". Und auch andere Gesetze. Wobei das EU-Tierschutzgesetz wirklich gut aufgegleist wurde, bei der Umsetzung happperts aber gewaltig - das erlauben wir uns, aufgrund eigener Erfahrungen an dieser Stelle mal zu erwähnen. Denn grundsätzlich können Sie als Tourist in jedem EU-Land beim nächsten Polizeiposten vorbeigehen und eine Anzeige erstatten, wenn Ihnen Missstände betreffend Tierhaltung auffallen - machen Sie das doch. Je mehr sich beschweren, desto grösser wird der Druck vor Ort.

Bedenken Sie: Die Nachfrage bestimmt das Angebot, also leistet man schon einen grossen Beitrag, indem man: Nicht an Veranstaltungen mit Tieren teilnimmt, keine Tiere auf Märkten oder in Zoohandlungen kauft und auch kulinarisch darauf achtet, was man bestellt. Zudem bringt man von einer Reise gerne Souvenirs mit einem Hauch Exotik mit, doch es wird geraten auf sämtliche Erzeugnisse welche aus Tieren oder Pflanzen hergestellt werden, generell zu verzichten. Die lokale Flora und Fauna wird es danken und man erspart sich zudem noch viel möglichen Ärger am Zoll, welche einem verbotene Reise-Mitbringsel gleich wieder abnimmt.

Oftmals ist man im Ausland mit Missständen konfrontiert welche entsetzen, man fühlt sich hilflos und möchte einfach nur helfen. Gerade in der Ferienzeit nehmen die Meldungen von Schweizern zu, welche über verletzte, kranke und misshandelte Fälle direkt von ihrem Ferienorten berichten und dringend um Hilfe bitten.

Unsere Claudia Hitz weiss aus eigener Erfahrung ganz genau, wie sehr einen das Tierleid mitnimmt. Sie selbst arbeitet seit vielen Jahren auch im Auslandtierschutz, hauptsächlich in Griechenland und in der Ukraine und berichtet: "Tierschutz ist immer eine Gratwanderung zwischen helfen können und akzeptieren müssen, gerade im Ausland."

Das Wichtigste ist, dass man vor Ort Kontakte knüpft, denn Direkthilfe von der Schweiz aus, ist meist nicht möglich: "Ich empfehle jedem Tierfreund, schon VOR dem Urlaub Informationen zur Feriendestination einzuholen und sich zu erkundigen, wo sich in der Nähe ein Tierheim oder ein Tierschutzverein befindet. So weiss man gleich, wohin man sich im Notfall wenden kann. Unter: worldanimal.net findet man ein weltweites Verzeichnis von Tierschutzorganisationen. Oder man 'googelt' einfach die Reisedestination + Tierschutz (bzw. Animal Shelter oder Animal Association / Animal Welfare) um vorgängig lokale Tierheime und Tierschützer ausfindig zu machen.

Und plötzlich ist man vor Ort und trifft auf ein hilfsbedürftiges Tier
Kontaktieren Sie örtliche Tierschützer/Tierheime und melden den Fall. Manchmal handelt es sich um bekannte Tiere, welche Touristen nachlaufen und um Futter betteln, manchmal ist es aber wirklich ein Notfall aufgrund von Verletzungen oder Krankheit. Sprechen Sie mit den lokalen Tierfreunden! Sich bei uns in der Schweiz zu melden, wird aktuell in solchen Situationen wenig bringen, auch wir müssten zuerst recherchieren, ob in der Nähe Ihrer Feriendestination ein Ansprechspartner vorhanden ist.

Grundsätzlich ist eine Unterstützung von lokalen Tierschützern vor Ort immer die nachhaltigste Hilfe die man überhaupt leisten kann. Kontaktieren Sie den lokalen Tierschutzverein doch schon vor Reisebeginn, fragen Sie nach, ob eventuell auch schon mit Sachspenden aus der Schweiz geholfen wäre und was am Dringendsten benötigt wird. Vielfach mangelt es an so manchem und mitgebrachte Transportboxen, Leinen, Halsbänder, Antiparasitenmittel, Medikamente und vieles mehr sind den Tierschützern oftmals eine grosse Hilfe.  Zudem sollte man sich immer auch im Hotel/beim Reiseveranstalter, etc. beschweren, denn als Tourist hat man viel Einfluss. Je mehr Touristen sich über Missstände beklagen, desto eher ändert sich auch langfristig etwas, denn viele Destinationen sind auf die Umsätze mit Urlaubern angewiesen.

Bitte nicht füttern!
Was hingegen sehr wenig hilfreich ist, ist das Füttern der Tiere vor Ort. Über diese Empfehlung sind viele Tierfreunde erstmal schockiert, wir wissen das! Für viele tierliebe Touristen gehört es nämlich schon fast zu einem Urlaub mit dazu, während ihres Aufenthaltes regelmässig Strassentiere zu füttern und damit auch ein Stück weit ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen. Das hohe Futterangebot während der Touristensaison führt jedoch regelmässig zu einem Anstieg der Populationen, da sich Tiere welche genügend Futter zur Verfügung haben auch dementsprechend schnell vermehren. Nach der Saison, dann wenn alle Touristen abgereist sind, müssen umso mehr ums Überleben kämpfen.

Arbeiten Sie mit den lokalen Tierschützern vor Ort zusammen! Es macht nur Sinn, Tiere zu füttern die kastriert und überwacht sind. Es gibt viele kontrolllierte Futterstellen, welche im Ausland extra genau dafür eingerichtet wurden. Alle kastrierten Strassentiere werden an diesen HotSpots wieder rausgelassen und es fällt schnell auf, wenn Neuzugänge dazu stossen. Dann kann sofort gehandelt werden. Sie sehen, es macht viel, viel, viel mehr Sinn, den Tierschützern vor Ort das Geld, das Sie sonst für Futter ausgegeben hätten, zu spenden, damit diese sich weiter finanzieren können. Auch Futterkäufe gehören da selbstverständlich mit dazu.

Um die Problematik grafisch besser darzustellen, anbei ein Diagramm. Wenn unkontrolliert zugefüttert wird (und viele Feriendestinationen haben genau nur deshalb ein so grosses Streunerproblem), ohne zu kastrieren, geschieht das:

  • Unerbittliche Kämpfe um Futterressourcen, blutige Bisse und Verletzungen, denn jeder möchte an das Futter
  • Weibliche Tiere die 'Rollig/Empfängnisbereit' werden, aufgrund des hohen Futterangebots
  • Böse Kämpfe untereinander, wer kann/darf decken, Kämpfe unter Katern/Rüden aber auch Paarungsverletzungen, tiefe Bisse, die unbehandelt bleiben
  • Kätzinnen wie Hündinnen, welche hormonell aufgrund des Futterangebots aufnehmen können (schwanger werden können). Die Natur hat nämlich sehr clever eingerichtet, dass bei Futterknappheit viele Tiere gar nicht erst trächtig (schwanger werden)
  • Hunde wie Katzen die plötzlich mit Würfen von unzähligen Babies dastehen. Unglücklicherweise dann meist nachdem die Touristensaison vorbei ist und keinerlei Futter mehr zur Verfügung steht. Kannibalismus ist dann nicht selten oder die Welpen verdursten/verhungern da die Mütter nicht genügend Milch geben können
  • Viele Jungtiere, die noch einfach zu fangen sind und in Hotelanlagen oder in der Umgebung von Ferienhäusern geboren werden, werden aufgrund ihrer 'Rufe nach der Mamma' geortet und kurzerhand entsorgt. Im Abfallcontainer - lebend! Alle zusammen! Oder man ist gnädig und schlägt ihnen wenigstens noch den Schädel ein, damit sie nicht jämmerlich zugrunde gehen müssen
  • Werden solche Würfe gefunden und lokalen Tierschützern gemeldet bleibt diesen meist nur der verzweifelte Versuch, die Babies durchzukriegen. Die meisten haben keine super Aufzuchtsmilch zur Hand, so muss es Kuhmilch aus dem Handel tun. Unzählige werden während der Feriensaison von Touristen 'gefunden' und Tierschützern gebracht. Diese stehen dann da... bis unters Dach voll mit Notfällen und wissen nicht wohin. Nichts desto trotz bemühen sich alle so gut es eben geht! Wenn sich jedoch VORAB alle Touristen mit der Feriendestination auseinander setzen würden, hätten wir nicht so eine grosse Hilflosigkeit während den jährlichen Touristensaisons, überall im Ausland!
  • Viele Strassentiere sind sehr scheu, da sie ganz schlimme Erfahrungen mit Menschen machen mussten. Sie lassen sogar ihren Nachwuchs alleine wenn sich 2-Beiner nähern. Ein verlassener Wurf bedeutet noch lange nicht, dass keine fürsorgliche Mutter in der Nähe ist! Bedrängen Sie Würfe bitte nicht, nehmen Sie Abstand und beobachten (nicht bloss 10Minuten, sondern über Stunden) aus grosser! Entfernung! ob nicht doch ein Muttertier in der Nähe ist. Oftmals ist es das nämlich
  • Wenn die Strassentier-Population ansteigt, dann ist es kein Geheimnis, dass viele Feriendestinationen VOR und NACH der Saison regelmässig Giftköder verteilen, um die vielen Tiere zu eliminieren. Meist handelt es sich um Rattengift, so oder so ist das Sterben ganz furchtbar und langwierig und müsste nicht sein, wenn nicht so viele ungewollte Tiere erneut wieder Nachwuchs bekommen (können - dank den Touristen die ununterbrochen zufüttern während ihren Ferien!)
  • Auch kein Geheimnis ist, dass Jagd auf Strassentiere gemacht wird - unzählige werden erschossen oder ganz einfach erschlagen, lebendig aufgehängt oder mit heissem Öl übergossen - der Brutalität sind leider keine Grenzen gesetzt - gesehen haben wir schon Alles!


 

Nicht einfach mitnehmen!
Auch Hände weg von einem Import auf eigene Faust. So sehr einem ein Tier auch leid tun mag, nehmen sie keinesfalls unüberlegt einfach ein Tier aus den Ferien mit nach Hause. Für eine Mitnahme eines Tieres aus dem Ausland benötigt es einiges an Vorabklärungen, medizinischen Unterlagen und man hat sich an die Importbestimmungen zu halten. Genaue Auskünfte erhält man beim Bundesamt für Lebensmittel und Veterinärwesen www.blv.admin.ch

Claudia Hitz erzählt: "Regelmässig werde ich von verzweifelten Tierhaltern kontaktiert, deren Tier entweder gleich an der Schweizer Grenze oder später, nach dem ersten Tierarztbesuch, beschlagnahmt wurde. Meist ist es dann für guten Rat aber schon viel zu spät, denn an die geltenden Gesetze hat sich jedermann zu halten. Oftmals sind die Tiere noch nicht mal geimpft, auch nicht gechippt und verfügen über keinen Pass, dann muss das Tier ins Ursprungsland rückgeführt – oder noch viel Schlimmer – eingeschläfert werden. Oder sie wussten gar nicht, dass Hunde mit kupierten (beschnittenen Ohren oder Ruten nicht importiert werden dürfen)". Oftmals ist es den Touristen dann einfach viel zu anstrengend, sich weiter für das Tier einzusetzen und Folgekosten auf sich zu nehmen. Sie konnten den 'Urlaub aufgrund des armen Tieres schon nicht richtig geniessen, rannten von A nach B und stehen dann bei der Einfuhr vor weiteren Problemen. Nur allzu oft, geben viele an der Stelle auf und wollen nur noch nach Hause - was für diese Tiere dann das Todesurteil bedeutet. Claudia Hitz: "Es tut mir ehrlich gesagt nur für die Tiere unendlich leid, welch Marty̱rium sie durchleben müssen, nur weil Menschen überstürzt handelten. Für die vermeintlichen 'Retter' habe ich wenig Mitgefühl, sind sie doch Verursacher der eigentlichen Tragödie. Denn die immer gleichen Ausreden wie: Wusste ich nicht, wollte nur helfen, aber... hängen mir langsam zu den Ohren raus!"

Auch vielen Tieren, welche korrekt oder unbemerkt eingeführt werden, ergeht es leider langfristig nicht besser. Kurz nach den Schulferien häufen sich die Anfragen betreffend Abgabeplätzen von Auslandtieren immer merklich. Kaum Zuhause und zurück im Alltag merkt man, dass das mitgenommene Kätzchen/der Hund sehr krank ist, dringend medizinische Versorgung benötigt, nicht mal stubenrein ist…. Halt ganz anders als man sich das mit der ‚Rettung‘ vorgestellt hat. Dann wird ebenso hastig nach einer Abgabelösung gesucht, wie vorher der Entscheid für eine Mitnahme getroffen wurde. Anstatt dem Tier ein vermeintlich besseres Leben zu schenken, kommt es oftmals wortwörtlich vom Regen in die Traufe. Erst nach engerem Zusammenleben zeigen Tiere ihr Verhaltensrepertoir. Streuner welche zum Überleben Abfall durchwühlen mussten, überfordern hier den Besitzer masslos, wenn sie weiterhin alles zusammenfressen was nur ansatzweise nach Futter riecht. Auch Kot und Urin wird wie gewohnt, dort wo grad Bedarf ist, abgesetzt. Das kann dann die Küche, der Gang aber auch das Wohnzimmer sein. Für 'Streuner' existiert kein 'Drinnen' und 'Draussen'. Für Strassentiere ist alles dasselbe. Vieles ist zudem Unbekannt, reger Strassenverkehr, der enge Kontakt mit Menschen, Halsband und Leine, fremde Geräusche… da kann es schon vorkommen, dass der Vierbeiner aus lauter Angst mit einem Biss anstatt Dankbarkeit für die Rettung reagiert. Als Reaktion darauf wird er meist abgeben und das ‚Problem‘ anderen überlassen, anstatt selbst daran zu arbeiten.

Claudia Hitz ist zudem ausgebildete Problemtiertherapeutin und hat schon so manchem vermeintlich hoffnungslosem Fall‘ geholfen. ‚Es gibt immer Wege, man muss diese Wege als Halter nur gehen wollen. Voraussetzung ist immer, dass man sich in das Tier einfühlt. Hätte man das schon früher getan, dann hätte so mancher Import aus dem Ausland gar nicht erst stattgefunden, denn nicht jedes Auslandtier möchte 'gerettet' werden.‘